Auf der Überholspur


Ferrari: seit 1902 keltert die italienische Schaumwein-Ikone flaschenvergorene Spumanti, nach denen heute die ganze Welt lechzt.

Das Wort Pionier wird gerne etwas inflationär benutzt. Giulio Ferrari war wirklich einer. Schon kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende pflanzte er Chardonnay-Reben im Trentino. Sein Ziel: Schaumwein nach Champagner-Vorbild zu keltern. Er hatte das Weinmachen in Italien und Deutschland gelernt und anschliessend in Epernay in der Champagne gearbeitet. Mit diesem Wissen im Gepäck kam er 1902 in seine Heimat zurück und brachte Italien in Sachen Schaumwein auf die Überholspur. Zwar kelterte er anfangs nur wenige Hundert Flaschen, doch die Qualität sprach sich so schnell herum, dass Ferrari bald zum Synonym für absolute Spitzen-Spumanti wurde.


Mediterrane Wärme, alpine Frische

Nicht nur das: Mit Ferrari florierte die ganze Region. Denn dank Giulios Vision gibt es heute rund 50 Erzeuger von Trentodoc. So heisst der flaschenvergorene Schaumwein aus dem Trentino, seit er 1993 das doc-Label erhielt. Er profitiert – das hatte schon sein Vorreiter erkannt – von einer ganz besonderen geografischen Lage. Geschützt von erhabenen Gipfeln sonnen sich die  Reben in einem Klima zwischen mediterraner Wärme und alpiner Frische. Dies schmeckt man in den Weinen. Stets vereinen sie reife Frucht mit einer lebendigen Säure. Die Trauben, zugelassen sind Chardonnay, Pinot noir, Pinot Meunier und Pinot blanc, werden von Hand geerntet und ausschliesslich nach dem Champagner-Rezept, also mit zweiter Gärung in der Flasche, verarbeitet. Genau wie das französische Vorbild ruhen sie vor dem Verkauf mindestens 15 Monate auf der Hefe. Für einen Millesimato, also einen Jahrgangs-Spumante, beträgt das Minimum 24 Monate, für eine Riserva sogar 36 Monate. Bei Ferrari können es aber auch mal fünf, sieben oder gar zehn Jahre sein.

Dritte Generation am Steuer

Der Gründer Giulio Ferrari hatte selber keine Kinder. 1952 legte er darum sein Lebenswerk in die Hände des Trentiner Weinhändlers Bruno Lunelli. Dessen Kinder schufen ab den 1970er Jahren schäumende Ikonen wie den Ferrari Perlé oder die Riserva del Fondatore. Regelmässig räumen sie auf dem internationalen Parkett wichtige Weinpreise ab. Heute sitzt mit Marcello, Matteo, Camilla und Alessandro die dritte Generation der Lunelli-Familie im Ferrari- Cockpit. Und macht keine Anstalten, den Motor zu drosseln.

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