
Festival Director des Zurich Film Festival. Ein spannender Beruf! Was hat dich dazu bewogen, diesen Weg einzuschlagen?
Seit meiner Kindheit liebe ich Filme, weil sie ein Spiegel des Lebens sind. Ich habe im Kino mehr über die Welt und mich selbst gelernt als an der Universität. Deshalb ist es ein Traumjob, tägliche Filme schauen zu können und diese später einem breiten Publikum zu vermitteln.
Welche Rolle spielt das Zurich Film Festival für den internationalen Filmmarkt?
Wir sind für viele Filme ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zu den Oscars. Die Studios lieben es, ihre Filme in Zürich zu zeigen, um sie ins Gespräch zu bringen und mit Prestige aufzuladen. Daher sieht man bei uns schon im Herbst jene Filme, die später Oscars gewinnen.
Wann war für dich klar, dass du in die Filmbranche willst? Gab es ein bestimmtes Erlebnis oder einen Moment, der dich geprägt hat?
Als ich ans Gymnasium kam, musste ich Sackgeld verdienen und habe einen Nebenjob als Kassier im damals neu eröffneten Kino Loge in Winterthur angenommen. Dort konnte ich die Filme gratis schauen und so hat es mir den Ärmel reingenommen. Prägend war für mich dann 2008 der Besuch von Sylvester Stallone, meinem Jugendhelden, am ZFF, wo er den Golden Icon Award erhielt. Die Leute standen im Kino Corso auf den Sitzen und skandierten
. Solche magischen Momente wollen wir auch heute noch ermöglichen.
Welches ist dein Lieblings-Genre? Ändert sich dieses im Lauf der Zeit?
Ich liebe romantische Dramen im Stil von «Before Sunrise», meinem Lieblingsfilm. Auch Boxfilme liebe ich, obwohl ich noch nie einen Boxkampf im Stadion oder am Fernsehen geschaut habe. Das Boxen ist die Metapher für den American Dream und ein Zeichen dafür, dass sich auch der kleine Mann dank harter Arbeit durchsetzen und sozial aufsteigen kann.
Welcher Film der letzten fünf Jahre hat dich besonders begeistert und warum?
Der Vatikanthriller «Conclave», den Regisseur Edward Berger zusammen mit Ralph Fiennes persönlich am ZFF vorstellte. Der Film wirft ein Schlaglicht auf die Machtkämpfe um den Heiligen Stuhl und setzt der Figur des Zweiflers ein Denkmal. Der Film kam nur wenige Wochen vor dem Tod von Papst Franziskus ins Kino und stellte sich als topaktuell heraus.
Welchen Filmklassiker sollte wirklich jeder gesehen haben?
Einen Klassiker des italienischen Neorealismo, der vielleicht besten Epoche in der Filmgeschichte. Zum Beispiel «Roma, città aperta» (1945) von Robert Rossellini gedreht am Kriegsende in der italienischen Hauptstadt. Ein Film, der dem sozialen Elend der damaligen Zeit einen unbändigen Humanismus gegenüberstellte.
Wie gehst du mit Star-Allüren um?
Gelassen. Meist sind übrigens die Allüren der Publicists und Manager viel grösser als jene der Stars selbst.
Welchen Wein geniesst du bei einem Kino-Abend zu Hause?
Gerne den Villa Antinori rosso. Ich liebe die Mischung aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Sangiovese und Verdot.
Gibt es Snacks dazu?
Ja, Grissini oder auch etwas Käse.
Du hast italienische Sprach- und Literaturwissenschaft studiert, korrekt? Woher kommt deine Faszination für Italien?
Ich bin einem Arbeiterquartier von Winterthur aufgewachsen, wo es viele Italiener gab. Ihre Lebensfreude war ansteckend. Italien war auch das erste Land, wo ich am Meer war. Das Belpaese ist für mich Sehnsuchtsort mit dem besten Essen der Welt und einer menschlichen Wärme, die mich immer wieder aufs Neue berührt.
Dein Lieblingswort im Italienischen?
Caffè!
Was bedeutet Italianità für dich?
Geniessen und begreifen, dass der Reichtum des Menschen seine Mitmenschen sind.
Welches ist dein Lieblingsreiseziel im Belpaese?
Italienisch studiert habe ich 1994 in Urbania in der Region Marche, dorthin kehre ich immer wieder gerne zurück. Aber auch nach Rom fahre ich als Katholik und als Fan der SS Lazio immer wieder gerne. Aber wenn ich mich auf einen Ort festlegen müsste: Cefalù in Sizilien. Es ist ein bukolisches, aber nicht museales Städtchen am Fusse eines grossen Felsen, herrlich zum Baden und nicht weit von Palermo entfernt.
Wie kommt die Verbindung mit Bindella zustande?
Ich bin schon lange Stammgast in den Bindella-Ristoranti. Es gibt wohl kein Lokal auf der Welt, wo ich häufiger gegessen habe als im Santa Lucia bei uns im Zürcher Kreis 5. Im Conti mache ich am liebsten Geschäftsessen und meinen 50. Geburtstag habe ich mit der Familie in der Cantinetta Antinori gefeiert. Rudi durfte ich vor einigen Jahren kennenlernen und wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden. Kurz: Ich identifiziere mich stark mit Bindella und deshalb ist die Freude über diese Partnerschaft wirklich sehr gross.
Welche Werte teilst du persönlich mit Bindella?
Bindella wie ZFF sind zwei starke Marken, die ihren Gästen Premium-Erlebnisse bieten. Wir machen unsere Metiers aus Liebe zur Sache und bereiten unseren Gästen Freude.
Christian Jungen
Festival Director des Zurich Film Festival