Daniel Müller, am 18. Mai wollen Sie sich als Trésorier von Gastro Suisse wählen lassen, im Herbst folgt Ihre Kandidatur als Präsident von Gastro Zürich. Ist Ihnen bei Bindella langweilig?

((lacht)) Nein, ganz sicher nicht. Aber die Verbandsarbeit interessiert mich. Und ich finde es wichtig, dass man sich auch um die Strukturen unserer Branche kümmert. Die Wirte in der Schweiz sollen auf einer guten Basis und auch erfolgreich wirtschaften können.

Sie sassen bereits einmal im Vorstand von Gastro Zürich, haben aber 2017 das Amt aufgegeben. Warum jetzt die Rückkehr?

Ich war Vizepräsident, als ich 2017 wegen vereinsinternen Querelen abgetreten bin. Dass es damals leider keinen anderen Weg gab, habe ich sehr bedauert. Mit meiner Rückkehr – sofern ich denn gewählt werde – könnte ich das damals Angefangene weiterführen und endlich zu Ende bringen.

Was meinen Sie genau?

Die Schweizer Gastro-Landschaft zeigt sich sehr divers: hier das Trend-Lokal in der pulsierenden Stadt, dort die beliebte Dorfbeiz im ländlichen Gebiet oder die Systemgastronomie im Grossbetrieb. Alle haben ihre Berechtigung und ihre Kundschaft. Doch diese Vielfalt ist im heutigen Vorstand von Gastro Zürich nicht abgebildet. Dabei hat Zürich die grösste Restaurantdichte der Schweiz! Gewinne ich die Wahl, werde ich dafür sorgen, dass sich alle Wirte und Gastro-Unternehmen vertreten und verstanden fühlen vom Verband. Denn nur so macht eine Mitgliedschaft überhaupt Sinn. Sonst kann man den jährlichen Beitrag als «Spende» abbuchen …

Kari Fatzer, Ihr Gegenkandidat, gilt laut Medienbericht bereits als so gut wie gewählt. Wie kommt das?

Kari Fatzer ist Wirt aus Winterthur und wirkt bereits heute im Vorstand von Gastro Zürich mit. In diesem Gremium ist Kari Fatzer als Nachfolger des jetzigen Präsidenten bestimmt worden, und er hat sich als Kandidat aufstellen lassen. Man sagt, der Vorstand habe ihm die Wahl bereits «versprochen». Die Medien haben bekanntlich darüber berichtet. Doch eine Wahl mit nur 1 Kandidat ist doch keine echte Wahl! Es braucht mindestens zwei Kandidaten, damit die Delegierten eine Auswahl haben.

Was tun Sie, um Ihre Wahlchancen zu verbessern?

Der Vorstand weiss schon seit einem Jahr, dass ich auch Interesse an diesem Amt habe. Doch er hat auf meine Anfrage nicht reagiert. Deshalb ging ich selber in die Offensive und habe meine Kandidatur Anfang Jahr auf LinkedIn bekanntgemacht. Ich kommuniziere sehr transparent, die Leute wissen, was ich an der aktuellen Verbandsarbeit bemängle und wofür ich mich einsetzen würde. Ich habe auch eine eigene Website aufgeschaltet, wo man sich über mich informieren kann. Denn der Vorstand kolportiert mich nach wie vor nicht als offiziellen Kandidaten. Das muss ich so akzeptieren.

Ohne die Unterstützung des Vorstandes dürfte eine erfolgreiche Wahl aber schwierig werden, nicht?

Gewiss, ja. Deshalb habe ich alle Bezirkspräsidenten angeschrieben und angefragt, ob ich mich bei ihren Delegierten vorstellen darf. Gewisse Sektionen haben positiv reagiert und mich für eine Präsentation eingeladen. Ich spüre in der Branche generell viel Sympathie für meine Kandidatur. Das Problem ist nur: Viele Wirte sind keine stimmberechtigten Delegierten von Gastro Zürich und können mich gar nicht wählen. Deshalb muss ich unbedingt bei unseren Delegierten Stimmen gewinnen! Immerhin ist jetzt auch der Vorstand aufgewacht und hat mich zu einem Hearing eingeladen.
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Daniel Müller, Vorsitz der Geschäftsleitung Gastronomie bei Bindella

Die Verbandsmitglieder sollen die Vielfalt an Gastronomiebetrieben, die wir im Kanton Zürich haben, widerspiegeln.

Wir reden jetzt nur noch von der Kandidatur als Präsident von Gastro Zürich. Aber da gibt es ja noch die Wahl zum Trésorier bei Gastro Suisse. Sammeln Sie Ämter?

Nein, sicher nicht, aber das hat sich so ergeben. Durch die Pandemie wurde die Präsidentschaftswahl für Gastro Zürich in den Herbst verschoben. Deshalb kommt nun im Mai als erstes die Wahl zum Trésorier. Das ist quasi der Finanzchef von Gastro Schweiz. Beide Ämter liessen sich gut miteinander kombinieren.

Angenommen, Sie gewinnen beide Wahlen. Geben Sie Ihre Arbeit bei Bindella dann auf?

Das habe ich gewiss nicht vor. Ich bin mit Leib und Seele Gastronom, will nah am Geschehen bleiben. Das wäre auch für mein Amt als Präsident essentiell. Hier bei Bindella spüren wir Trends auf, probieren neue Formate aus. Als Präsident könnte ich die richtigen Strukturen schaffen, dass sich auch junge, innovative Gastro-Unternehmen im Verband wohl- und wertgeschätzt fühlen. Meine beiden Kandidaturen sind natürlich mit der Familie Bindella abgesprochen, ich spüre grosse Unterstützung.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg, Daniel Müller!

Weitere Informationen zu Daniel Müllers Kandidaturen: danielmüller.ch