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Über Mittag oder am Feierabend lässt es Zürich gelegentlich gern langsam angehen. Die Kuriere von Santa Lucia machen das Gegenteil. Und fahren dabei so nachhaltig wie nur möglich.


Und plötzlich: Lockdown! Homeoffice! Schulschliessung! Fast-alles-Schliessung! Über ein knappes halbes Jahr ist der Betrieb des Lieferservice von Santa Lucia warmgelaufen, als Jan von Arx im Frühling 2020 die Geschäftsführung übernimmt. Pro Tag flattern rund 50 Bestellungen herein, fünf Roller zählt die Flotte, acht Köpfe (oder eben Helme) der Fahrer-Pool. Doch mit der Pandemie beginnt die Bleiben-Sie-zu-Hause-Zeit. Und zu Hause hat Zürich Hunger. Mächtig Hunger! Ein Tsunami von Bestellungen überschwemmt die Zentrale. «Herausforderung» ist nur der Vorname dessen, womit sich das Miniteam um Quereinsteiger Jan von Arx konfrontiert sieht. Doch der Mensch wächst mit seinen Aufgaben: Der damals 31-Jährige rekrutiert Personal, puzzelt neue Schichtpläne zusammen, tauscht das aus allen Nähten platzende Büro im ersten Stock des Bindella-Hauptsitzes gegen ein grösseres im Untergeschoss. «Der Lieferservice ermöglichte es, trotz kalter Restaurantküchen die Kundennähe zu bewahren», blickt Unternehmensleiter Rudi Bindella jr. zurück. «So brutal das klingt: Mit der Pandemie gelang der Durchbruch.» Regelmässig erlaubt er sich «Qualitätskontrollen» – zur hellen Freude seiner Töchter.
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Dass ganz Zürich zu seiner Pizza kommt, dafür sorgt Multitalent Jan von Arx.

Vorwärts zur Normalität

Heute kommen die Kuriere so zuverlässig wie der Osterstau am Gotthard. 13 flinke Flitzer plus ein Fiat 500e für Grossbestellungen parken im Innenhof an der Hönggerstrasse an diesem Montag kurz vor elf Uhr, als Jan von Arx vom wöchentlichen Debriefing mit den Lokalen zurückkehrt. Während seiner Abwesenheit übernimmt Betriebsassistent Thajeenthan Vallipuram das Steuer, bereitet die Ausrüstung der nach und nach hereintröpfelnden Fahrer vor. Hose, Jacke, heute auch Regenparkas. Rote Westen für drüber, Nierengurt für drunter, drum herum die Bauchtasche für Handy und EC-Gerät. «Die meisten Kunden zahlen mit Karte», weiss Marian Paturca, der im Vollpensum auf Achse ist. Bis Betriebsschluss gegen 22.30 Uhr spult der 22-Jährige rund hundert Kilometer ab. Tagesrekord: 26 erledigte Bestellungen am vergangenen 1. August. Für den Moment listet der Bildschirm neuen Mittagskunden auf – bescheiden angesichts des Dauerregens. Während die kulinarischen Vorzüge der Kundschaft relativ konstant sind – Michelangelo oder Margherita haben die Nase deutlich vor Pasta, Risotti & Co. –, verhält sich die Auftragslage willkürlich wie das Wetter im April. Immerhin, gewisse Tendenzen seien spürbar, erklärt von Arx: Witterung und Saison haben einen Einfluss. Schulferien bedeuten Flaute, der Zahltag am Monatsende das Gegenteil, ebenso Anlässe wie der Zukunftstag oder grosse Fussballspiele. Bei übermässigem Ansturm steigen von Arx und Vallipuram mit in die Töffhosen. «Eine willkommene Abwechslung zur Kopfarbeit als Disponent», sagt Letzterer. Regen, Schnee und Frost liessen ihn kalt. «Draussen ist alles, was zählt, der nächste Auftrag.» Das Fahrgefühl ist es, was Marian Paturca an seinem Knochenjob liebt. «On the road» die Stadt spüren, ihre Stimmungen, die Wechsel der Jahreszeiten, das Erkunden versteckter Winkel – ein Hauch von Easy Rider! Wohlgemerkt ohne Abgaswolken und Geknatter: Santa Lucia fährt konsequent elektromotorisiert. «Wir haben uns für Modelle des Schweizer Unternehmens Etrix entschieden. Einerseits weil sie geräuschlos durch Wohnquartiere rollen. Andererseits ist die Umweltverträglichkeit ein wichtiges Kriterium. Auch die Verpackungen: alles biologisch abbaubar», erzählt Jan von Arx. Nach und nach wurden Kinderkrankheiten ausgemerzt, beispielsweise mussten neue Behälter für die Pasta her, das Material der vorherigen war nicht ganz dicht. Engpässe in den Küchen fangen jetzt die auf Delivery ausgerichteten Subito-Betriebe an geografischen Knotenpunkten auf.
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Die Kuriere von Santa Lucia fahren so nachhaltig wie nur möglich.

Nah ist gut

In Oerlikon oder Altstetten liegen viele Ziele in unmittelbarer Nähe der Lokale. Kürzere Wege bedeuten speditivere Arbeit, mehr Aufträge in weniger Zeit. Die Innenstadt hingegen – mässig beliebt: Fahrverbote, Fussgängerzonen, Feierabendverkehr … Street Parade oder Sechseläuten sorgen zusätzlich für Chaos. Ein Malheur kann jedoch immer und überall passieren. Wegen eines platten Reifens schob Marian Paturca sein Gefährt einmal vom Langstrassenquartier zur Zentrale zurück. Im strömenden Regen. Ein andermal blockierte ihn die monatliche Velodemonstration fast 20 Minuten lang. Dank der durch Elektroenergie beheizten Lieferboxen kam die Pizza dennoch knusprig warm an. Während pro Schicht sieben Angestellte kreuz und quer in der Stadt herumdüsen, spielt Jan von Arx den Big Brother: Ein Stadtplan auf dem Monitor ortet die Motorräder via GPS, je nach Position weisen die Disponenten Aufträge zu. «Mein Ehrgeiz ist es, dass ein Weg maximal 15 Minuten dauert», wobei dies zugegebenermassen eher knapp bemessen bei sei für Fahrten nach Gockhausen oder in die hintersten Wollishofer Winkel. Einer der grünen Punkte auf dem Screen nähert sich uns im Schneckentempo. Schliesslich trifft ein verschwitzter, fluchender Kurier ein. Leerer Akku, irgendwo im Nirgendwo, der Pechvogel beförderte sein Zweirad mit Muskelkraft hierher. Es dauerte einiges länger als 15 Minuten …
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Gentlemen, turn on the engines!

11.15 Uhr, das grosse Ausschwärmen, die Ristoranti in Altstetten, Oerlikon sowie das Subito am Stampfenbachplatz und neu an der Hohlstrasse verwandeln sich ab halb zwölf in Bienenstöcke der Rotwesten: heranschwirren, einpacken, davonrauschen. Die Fahrer erleben dabei einen Querschnitt durch alle Gesellschaftsschichten. Studenten-WG, Baustellencontainer, Kindergeburtstag, Fitnesscenter, sogar ein Salon für spezielle (männliche) Bedürfnisse im Bankenviertel zählt zu den Stammkunden. Einige Adressen fährt Marian Paturca besonders gern an. «Nicht nur wegen des Trinkgelds», betont er. Mehr bedeute ihm der herzliche Kontakt, der sympathische Small Talk zwischen Tür und Angel. Er erzählt von einer Familie in Altstetten, die er fast jede Woche beliefert. Doch natürlich haben diese warmen Momente eine eisige Kehrseite: Tür auf, Essen rein, Tür zu. Es kursiert die Anekdote einer zu zweit transportierten Mammutbestellung für 468 Franken. Draussen prasselte ein Monsunregen auf die Stadt nieder – drinnen liess der Empfänger gerade einmal zwei Franken extra springen … Aus Erfahrung rundeten Leute mit kleineren Bestellungen oft grosszügiger auf.
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Ist viel los, liefert Jan von Arx auch mal selber aus.

Männerdomäne

Auf die momentan 35 Herren im Kader kommt derzeit nur eine Dame. «In den Anfangstagen war der Anteil höher», relativiert Töfffan Jan von Arx. Fliessendes Deutsch müssten seine Leute beherrschen, den Roller natürlich auch, dazu Flexibilität bei der Arbeitsplanung beweisen. Im Zeitalter von Google Maps ist Stadtkenntnis optional – aber auf jeden Fall hilfreich. «Vor allem brauchen sie eine Portion Pfupf!» Oder vielleicht treffender formuliert: den richtigen Drive. Denn obwohl ein ständiges Kommen und Gehen herrscht und seine Leute als Einzelkämpfer unterwegs sind – der Teamgeist ist Jan von Arx ein Anliegen. Bei den gemeinsamen Treffen hat Marian Paturca Kontakte geknüpft, die auch im «zivilen» Leben bestehen. «Mit Kollegen gehe ich an Freitagen gern auf einen Spaziergang oder organisiere einen Spielabend», freut sich der gebürtige Rumäne, der 2019 in die Schweiz kam. Ob sie dann bei a casa mia Pizza bestellen, lässt er offen. Mit einem verräterischen Schmunzeln …

 

Santa Lucia – a casa mia
Nachhaltig verpackt und per
E-Roller geliefert: Die Santa-Lucia-Kuriere
bringen Holzofenpizza, Pasta und
Wein direkt an die Haustür – in der ganzen
Stadt Zürich.
santalucia-lieferservice.ch