Der Sassicaia-Macher im Interview

Der Sassicaia-Macher im Interview

Nicolò Incisa della Rocchetta

Seit 40 Jahren importieren wir die Weine der weltberühmten Tenuta San Guido. Zum Jubiläum verrät uns Nicolò Incisa della Rocchetta, Patron und Geburtshelfer des Sassicaia, seine Prinzipien – und welche Tropfen er privat trinkt.


Welchen Prinzipien folgen Sie bei der Weinbereitung?

Wir machen die Dinge auf natürliche Weise. Anfangs benutzten wir Holzbehälter für die Gärung, später stellten wir auf Edelstahltanks um. Und das war’s auch schon in Sachen Technologie. Je besser die Qualität der Trauben ist, desto weniger Eingriffe braucht es im Keller.

Ihr Vater hat als Pionier in den 40er-Jahren die Bordeaux-Sorten in die Toskana gebracht. Gab es einen Bordelaiser Cru, der ihn besonders inspirierte?
Mein Vater mochte Bordeaux sehr, aber fast noch mehr mochte er Burgunder. Leider ist es in Bolgheri zu heiss für Pinot noir, also pflanzte er Cabernet. Ein spezielles Bordelaiser Vorbild hatte er nicht. Doch insgesamt waren die Bordeaux-Weine damals anders als heute, viel schlanker und zugänglicher. Einer meiner Lieblingsweine ist der 1959er Lafite – dieser Wein hat einfach alles.

Als einziger Wein in Italien besitzt der Sassicaia eine eigene Ursprungsbezeichnung: Bolgheri Sassicaia DOC. Wie kam es dazu?
Unsere Idee war es nicht. Das Gremium in Brüssel, das für die Ursprungsbezeichnungen zuständig ist, fand, unsere Weine seien so anders als der Rest von Bolgheri, dass sie eine eigene DOC bekommen sollten. Für uns macht das Sinn.

Was unterscheidet den Sassicaia von seinen Kollegen?
Die meisten Winzer in Bolgheri folgen der aktuellen Mode: Ihre Weine sind sehr reif und konzentriert. Wir hingegen streben nach Finesse, nach weichem Tannin und spürbarer Säure. Jeder Jahrgang fällt naturgemäss ein wenig anders aus. Aber man erkennt stets den unverwechselbaren Sassicaia-Stil.

Stimmt es, dass Sie Ihren Vater einst überzeugt haben, den Sassicaia – der als Tischwein der Familie geboren wurde – überhaupt auf den Markt zu bringen?
Ja, das ist richtig. Mein Vater war lange dagegen. Er sagte immer: «Wenn wir für den Markt produzieren, brauchen wir eine professionellen Önologen, und dann verliert unser Wein seinen Charakter.» Zum Glück fanden wir mit Giacomo Tachis einen Top-Önologen, der unsere Philosophie verstand wie kein Zweiter. Er sagte immer: «Ich bin kein Wein-Macher, ich stelle nur sicher, dass wir die Qualität der Trauben nicht im Keller verderben.» Heute führt Graziana Grassini sein Werk fort.

Wie oft trinken Sie eine Flasche Sassicaia?
Um ehrlich zu sein, fast nur mit Kunden. Oder zu besonderen Anlässen mit Familie und Freunden. Öfter steht bei mir der Guidalberto auf dem Tisch. Auch Weissweine liebe ich, etwa aus Südtirol. Und wenn ich in die Schweiz komme, trinke ich natürlich Chasselas. Generell liebe ich es, Neues zu probieren.

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